Ausschreibung: Multiplikator*innen-Schulung zu Flucht, Migration & Rassismus

+++ Ausschreibung: Multiplikator*innen-Schulung zu Flucht, Migration & Rassismus +++

Angesichts starker rechter Strömungen, dichter Grenzen und weltweit steigender Ungleichheit ist eine Auseinandersetzung mit den Themen Migration, Flucht und Rassismus und deren Ursachen dringlicher denn je. Da dies an Schulen und anderen Orten meist nicht oder unzureichend stattfindet, braucht es hierfür inhaltlich und didaktisch geschulte & engagierte Multiplikator*innen mit unterschiedlichen Erfahrungsschätzen.

Mit der mehrfach ausgezeichneten Multi-Schulung Flucht qualifiziert die BUNDjugend NRW im fünften Durchgang junge Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte zur Durchführung von Bildungsveranstaltungen zu Themen wie Flucht, Migration und Umwelt. Die Qualifizierung bietet sechs spannende Wochenendseminare, einen intensiven gemeinschaftlichen Lernprozess und die Möglichkeit im Anschluss daran im Team Workshops und Projekttage auf Honorarbasis zum Themenkomplex durchzuführen.
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Bielefeld Refugee Conference 2017

Text: Kathrin

An alle Gruppen von Geflüchteten und  Menschen die mit Geflüchteten
zusammenarbeiten:

Wir sind eine Aktionsgruppe bestehend aus Menschen mit und ohne
Fluchthintergrund und haben für die Zeit vom 8.-10. September die
„Refugee Conference Bielefeld 2017“ vorbereitet. Sie soll dem Ziel
dienen, sich über den Lebensalltag als Geflüchtete in Deutschland  und
Hintergründe der Flucht auszutauschen, Strategien gegen Rassismus und
Abschiebung zu diskutieren und sich kennen zu lernen. Weiterlesen

24.06.2017: Straßenfest zum internationalen Tag der Geflüchteten

Der Weltflüchtlingstag ist von der UNO Vollversammlung am 20. Juni zum zentralen internationalen Gedenktag für Geflüchtete ausgerufen. Dieser Tag wird in vielen Ländern von Aktivitäten und Aktionen begleitet, um auf die besondere Situation und die Not von Millionen Menschen auf der Flucht aufmerksam zu machen. Der Weltflüchtlingstag ist den Geflüchteten, Asylsuchenden, Binnenvertriebenen,  Staatenlosen und RückkehrerInnen auf der ganzen Welt gewidmet, um ihre Hoffnungen und Sehnsüchte nach einem besseren Leben zu würdigen.

Nach 2014 auf dem Kesselbrink , 2015 an der Unterkunft Eisenbahnstraße und 2016 auf dem Tor 6-Gelände vor dem TOR 6 Theaterhaus  organisiert die Initiative „Geflüchtete willkommen in Bielefeld“ dieses Mal gemeinsam mit dem IBZ und dem Café Welcome ein Straßenfest mit Musik, Tanz, Essen und Getränken, sowie Informationsständen in der Webereistraße vor dem Internationalen Begegnungszentrum.

[Update 25.06.2017] Hier ein paar Impressionen (Klick auf ein Bild öfnet die Galerie): Weiterlesen

Ausstellung „ASYLUM“ im Kunstverein

Infos: Bielefelder Kunstverein im Waldhof

Einladung / Invitation

Asylum

TOBIAS ZIELONY, THE CITIZEN, 2015, Fotografie, Courtesy dER Künstler und KOW, Berlin

ASYLUM
27.08. – 30.10.2016
ERÖFFNUNG:
FREITAG 26. August 2016, 19 UHR

ASYLUM

27. AUGUST – 30. OKTOBER 2016

Mit Beiträgen von Halil Altındere, Vera Drebusch, Manaf Halbouni, Charles Heller & Lorenzo Pezzani (Forensic Oceanography), Thomas Kilpper, Marina Naprushkina (Refugees´ Library und Neue Nachbarschaften//Moabit), Kateřina Šedá, Mounira Al Solh, Anna Witt und Tobias Zielony.

ERÖFFNUNG: FREITAG, 26. AUGUST 2016, 19 UHR
Eröffnung mit Grußworten von Laura von Schubert (Stellvertretende Vorsitzende, Bielefelder Kunstverein) und Walter Neuling (Kulturdezernent der Bezirksregierung Detmold) sowie einer Einführung von Thomas Thiel (Bielefelder Kunstverein).

KÜNSTLERINNENGESPRÄCH: SAMSTAG, 27. AUGUST 2016, 15 UHR
mit Vera Drebusch, Manaf Halbouni, Thomas Kilpper und Anna Witt.

Flucht und Vertreibung scheinen unsere Gegenwart wie kein anderes Thema zu bestimmen. In den Medien wird häufig von einer Flüchtlings- und Migrationskrise berichtet. Dabei haben wir es mit keinem vorübergehenden Ereignis zu tun, denn ein permanenter Ausnahmezustand und die ungewisse Situation von Flüchtlingen sind inzwischen die Regel. Migration ist zum Seismographen unserer Zeit und unserem Selbstverständnis in Europa geworden. Vor diesem gesellschaftspolitischen Hintergrund und aus dem Blickwinkel der zeitgenössischen Kunst beschäftigt sich die Ausstellung mit den kulturellen Auswirkungen von Flucht, Vertreibung und Asyl. Weitere Information zur Ausstellung hier »

ASYLUM

27. AUGUST – 30. OKTOBER 2016

With contributions by Halil Altındere, Vera Drebusch, Manaf Halbouni, Charles Heller & Lorenzo Pezzani (Forensic Oceanography), Thomas Kilpper, Marina Naprushkina (Refugees´ Library and Neue Nachbarschaften//Moabit), Kateřina Šedá, Mounira Al Solh, Anna Witt and Tobias Zielony.

OPENING: FRIDAY, AUGUST 26, 2016, 7 PM
With contributions by Laura von Schubert (Deputy Chairwoman, Bielefelder Kunstverein) und Walter Neuling (Department Head of Culture Detmold, Germany) as well as an introduction by Thomas Thiel (Bielefelder Kunstverein).

ARTIST TALK: SATURDAY, AUGUST 27, 2016, 3 PM
Artists‘ talk with Vera Drebusch, Manaf Halbouni, Thomas Kilpper und Anna Witt.

Migration and displacement seem to mark our times like no other topic. The media frequently carry reports of a refugee and migration crisis. In all this, we are not dealing with a transitory event, as the permanent state of exception and the uncertain situation of refugees has meanwhile become the rule. Migration has become the seismograph for our times. The exhibition takes this social-political background and the perspective of contemporary art to engage with the cultural effects of migration, displacement and asylum. Further information about the exhibition here »

Kontakt

Bielefelder Kunstverein
im Waldhof
Welle 61
D-33602 Bielefeld

T +49 (0) 521.17 88 06
F +49 (0) 521.17 88 10

kontakt@bielefelder-kunstverein.de
www.bielefelder-kunstverein.de

Fluchtgrund: Verliebt in einen Mann

Von Rouven Ridder (Bielefelds Westliche)

Fluchtgrund: Verliebt in einen Mann

 

Ennio aus Albanien

 

Ennio ist 19 und kommt aus Albanien. Majid ist 28 und hat die weite Reise aus dem Iran hinter sich. Beide sind in Bielefeld gelandet, zwar aus dem selben Grund, aber mit unterschiedlichen Bedingungen. Denn beide sind homosexuell und haben in ihrer jeweiligen Heimat schlimme Erfahrungen gesammelt.

 

Ennio kommt aus einem kleinen Ort in Albanien, nur 20 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tirana. „Dort kennt jeder jeden,“sagt er über das Dorf, in dem er mit seiner Familie unter einem Dach lebt. Aber seitdem er in der Hauptstadt studiert, sei er innerhalb der Woche hauptsächlich dort. Obwohl die Strecke nicht so lang sei, bräuchte man mit Bus und Bahn etwa eine Stunde für die Fahrt dorthin. Im Studentenwohnheim hätte Ennio sich ein Zimmer mit sechs anderen Studenten geteilt.

 

Doch egal, ob im Dorf oder in der Hauptstadt: Als er sich verliebt hatte, wurde es für ihn und seinen Freund überall schwierig. An Treffen in der Öffentlichkeit war nicht zu denken, schon gar nicht im Wohnheim. Zwar sei Tirana kulturell belebter als die ländliche Gegend und Albanien als Ganzes bestrebt daran, die EU-Mitgliedschaft zu erlangen. Doch es sei noch ein weiter Weg, bis Minderheiten wie Homosexuelle dort ihre Daseinsberechtigung erführen. „Als meine Eltern verreist waren, hatten mein Freund und ich uns auf meinem Zimmer im Elternhaus getroffen.“

 

Wie im Film

 

Es geschah aber dann wie im Film: Die Eltern kehrten früher zurück und die beiden wurden überrascht. „Mein Papa drohte mir damit, mich umzubringen,“ erzählt Ennio zitternd. Und auch seine Mutter wollte nichts mehr von ihm wissen. Er flüchtete zurück nach Tirana, ins Wohnheim. Doch sein Vater kam hinterher und es gab einen riesigen Aufstand im Hausflur. „Alle bekamen es mit“. Auch seine Mitbewohner, die nun nicht mehr mit ihm in einem Zimmer leben wollten. Nachdem sich die ersten Wogen geglättet hatten, gab ihm der Portier des Wohnheims einen Tipp: „Geh zum LGBT, vielleicht hilft man dir dort“.

 

Im einzigen LGBT (= engl. Abk. für „Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender“, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, hier: eine Selbsthilfestelle) Albaniens, einem kleinen Büro in Tirana, konnte man Ennio aber auch nicht helfen. Die ihm dort geratenen Alternativen lauteten entweder Polizei oder Flucht. Und da ihm auf der Polizeidienststelle nur Häme begegnete, blieb ihm davon nur die eine Option.

 

Und Ennio hatte Angst. Er verspürte Trauer. „Bis dahin dachte ich, ich könnte mir zumindest der Liebe meiner Familie sicher sein. Doch plötzlich war auch die weg.“ Er entschloss sich zur Abreise und entdeckte vor dem Zusammenpacken im Wohnheim noch einmal einen kleinen Hoffnungsschimmer – seine Mutter hatte ihm beim Pförtner 300 Euro zurück gelassen. Immerhin.

 

Auf sich allein gestellt

 

Einer seiner Brüder lebte inzwischen in Italien. Er rief ihn an. Am Telefon erlebte er dann aber alles andere als Rückhalt. Offenbar hatte sein Vater mittlerweile die familiären Kontakte geknüpft. Am anderen Ende des Hörers drohte sein Bruder ihm: „Wenn ich dich in die Finger bekomme, töte ich dich.“

 

So auf sich allein gestellt, machte sich Ennio mit den 300 Euro auf den Weg und ließ seinen aus den Augen verlorenen Freund zurück. Er gelangte am Ende nach Bielefeld und landete in einer Unterkunft mit mehreren Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Alle haben eine bessere Aussicht auf eine erfolgreiche Asylgewährung als er, da er schließlich aus einem – dem deutschen Asylrecht nach – „sicheren Herkunftsstaat“ stammt.

 

Er muss jetzt beweisen, dass er dennoch verfolgt wird. Hier erhält er immerhin Unterstützung dabei, zum Beispiel von der Aidshilfe e.V. Von seinem damaligen Freund weiß er inzwischen über Facebook, dass er ebenfalls geflüchtet ist. Er sei wohl in Schweden gelandet. „Aber ich hab Angst, ihn zu kontaktieren. Ich kann nichts und niemandem mehr trauen.“ Ihn fürchtet inzwischen sogar, dass der Facebook-Kontakt eine Fälschung ist.

 

Majid aus dem Iran

 

Größeren Erfolg bei seinem Asylantrag könnte Majid haben. Aber er hinterließ bei seiner Flucht aus dem Iran ebenfalls eine große Familie und möglicherweise Folgen für einzelne ihrer Mitglieder.

 

„In der streng-religiösen Gesellschaft des Irans kommt Homosexualität einfach nicht vor,“ beschreibt er seine Heimat und meint die Ausblendung oder das Verschweigen des Vorhandenseins von Schwulen und Lesben dort.

 

Er wuchs in einer – wie er sagt – kleinen Stadt mit etwa 500.000 Einwohnern im Zentrum des Landes auf. Und er war irritiert, als er seine „Neigung“ in der Schule beim Schwärmen für einen Mitschüler entdeckte. Er spürte, dass allein der Versuch, darüber zu reden, ihn verdächtig machen würde. Und im Iran drohe bereits bei der ersten Entdeckung die Verhaftung – und auf Homosexualität steht die Todesstrafe.

 

Selbst als er zum Studium in die Hauptstadt Teheran – immerhin mit über 8 Millionen Einwohnern – wechselte, fühlte er sich in der Menge an Menschen nicht sicher. Neben der offiziellen Polizei konnte die Sittenpolizei „Basidsch“ überall und in jedem vermutet werden. Es herrschte eine Atmosphäre ständigen Misstrauens.

 

Versteckspiele

 

Als Alibi-Funktion sollte für viele die Heirat gelten. Und auch Majid sollte verheiratet werden und seine Familie bestand auch auf einer Heirat. „Ich empfinde für sie, was ich für jeden Menschen empfinde –  aber es war nun mal nicht so intensiv wie ich es zu einem anderen Mann gefühlt hätte, da ist keine Erotik“, erzählt Majid. Und nach einer langen depressiven Phase ternnte er sich dann von dem Mädchen und ging zu seinem Freund

 

Sein Freund hatte eine Wohnung, wo sie sich unter großen Vorsichtsmaßnahmen treffen konnten. Doch eines Abends klopfte es plötzlich mehrmals an der Wohnungstür.  Majid:„Wir haben uns absolut still verhalten, weil wir nicht wussten, wer dort vor der Tür stand.“ Nach einer Weile hörte das Klopfen auf.

 

Die beiden Liebenden hätten bis zum Morgengrauen und völlig verängstigt in der Wohnung verharrt. Am nächsten Morgen hätten sie sich heraus geschlichen. Für Majid war mit diesem Zeitpunkt klar: „Hier kann ich nicht bleiben“. Denn wer weiß, ob es nicht die Sittenpolizei war, die vor der Tür gestanden hatte.

Sein Freund sagte beim Abschied noch: „Ich rufe dich bald an“. Doch das tat er nie und verschwand plötzlich. Alles war verdächtig und Majid sagte sich, er müsse fort.

 

Ungewissheiten

 

Nach seiner Flucht befürchtet Majid, dass er zuhause noch weitere, tiefe Wunden aufgerissen hat. So könnte es sehr gut sein, dass die Ehe seiner Schwester mit ihrem Mann aufgelöst wurde. „Es  gilt als Schmach, mit jemandem verheiratet zu sein, in dessen Familie ein Homosexueller ist.“

 

Gewissheit hat er nicht. Und  bei jedem Kontakt müsste Majid befürchten, dass die Polizei oder die Basidsch seiner Familie etwas über ihn erzählten – und dann wäre alles zerstört.

 

Es dürfte klar sein, dass es sich weder bei Ennio noch bei Majid um „Wirtschaftsflüchtlinge“ handelt. Und man darf gespannt sein, wie das das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sieht. Und wie lange es für eine Entscheidung in den beiden Fällen benötigt.

 

In Deutschland fühlen sich Majid und Ennio bislang wohl, immerhin sind sie hier nicht derart drastischen Repressionen ausgesetzt wie in ihrer jeweiligen Heimat. Hier ist „schwul sein“ fast normal – aber eben nur „fast“. In den Notunterkünften leben sie dann aber wieder mit vielen Flüchtlingen aus ihren und anderen Herkunftsländern zusammen, aus solchen Gesellschaften, in denen deutliche Ressentiments gegenüber LGBTs herrschen. Und die bekommen sie dort wieder zu spüren.

 

Es ist also kein Wunder, wenn sie darauf drängen oder darum bitten, verlegt zu werden. Ennio und Majid ist das nach mehreren Anläufen, mit Glück und Unterstützung gelungen.

 

Bleiben nur noch die anderen.

Fluchthilfe / „Schlepperei“: Diskurse, Strafprozess, Folgen

Fluchthilfe / „Schlepperei“: Diskurse, Strafprozess, Folgen

Vortrag 04.10.2015 18.00 Uhr AJZ-Kino
Das europäische Grenzregime arbeitet mit immer drastischeren Mitteln an Ausschlussmechanismen, um die so genannte „illegale Einreise“ zu verhindern. Aber was ist die Folge, wenn es für weite Teile der Weltbevölkerung kaum legale Möglichkeiten der Einreise in die EU gibt?
Dann wird eine Dienstleistung produziert, die diese Einreise ermöglicht. Dann entsteht ein Markt, um diese hoch technologisierten und militarisierten Grenzen zu durchkreuzen, zu übertreten und zu unterlaufen. An diesem Abend wird der Diskurs zu Fluchthilfe und „Schlepperei“ aus der Perspektive der Produktion von Illegalität untersucht, aktuelle Strafprozesse erläutert und Initiativen vorgestellt, die kritisch zu diesem Thema arbeiten.
Die Referentin Carla Küffner promoviert zum Thema „Verhandlungen über Abschiebungen“ und ist Mitglied von Borderline-Europe, menschenrechte ohne Grenzen e.V. http://www.borderline-europe.de